Lean Management für ein technisches Wunderwerk

Kontraktlogistik Healthcare (10/12)
Für mehr als eine halbe Milliarde Menschen sind Dialysegeräte überlebenswichtig. CargoLine-Partner Schäflein unterstützt Weltmarktführer Fresenius Medical Care bei Produktion und Logistik der Blutreinigungsgeräte.
Lean Management für Fresenius
Lean Management für Fresenius.

Lean Management für Fresenius.

Der weiße Kasten neben dem Krankenbett ist ein Lebensretter. Leise verrichtet er eine Arbeit, ohne die  Menschen mit chronischem  Nierenversagen keine Überlebenschance hätten. Es ist eine Maschine, die Blut wäscht. Ein externer Kreislauf, der über Kanülen mit dem kranken Menschen verbunden ist, um seinen Organismus von Giftstoffen zu befreien. Hämodialyse nennt sich dieses Entgiftungsverfahren. Als sein Begründer gilt der Mediziner Georg Haas. Er führte 1924 in Gießen die weltweit erste Blutwäsche am Menschen durch. Danach sollte es allerdings noch mehr als 40 Jahre dauern, bis das Verfahren endlich massentauglich war.

Eines der modernsten Dialysegeräte ist das 5008S. Es ist ein aufwendig konstruiertes medizinisches Gerät, für das es 400 Lieferanten, eine hochverlässliche Logistik und den Transport- und Logistikdienstleister Schäflein braucht. Seit 2006 ist der CargoLine-Partner für Fresenius Medical Care tätig, den weltweit führenden Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Menschen mit chronischem Nierenversagen.

Schlank und zuverlässig

Um den Weltmarkt verlässlich mit  den dringend benötigten Dialysemaschinen bedienen zu können, setzt Fresenius Medical Care auf das Prinzip des Lean Managements: Schlanke Strukturen sorgen für Beweglichkeit und nachhaltiges Wachstum. Lean-Production-Officer kümmern sich bei dem Medizintechnikunternehmen darum, dass das Konzept bis an die Krankenbetten der 3000 weltweit betreuten Kliniken durchgehalten wird. „Fresenius ist sehr stark vertikal integriert. Unsere Dienstleistung reicht rund um die Dialyse – von der Therapie bis zum Gefäßzugang“, beschreibt Fresenius-Sprecher Martin Kunze das Geschäftsmodell.

Motor für die dahinter liegenden Prozesse ist die Logistik. Schäflein übertrug das Lean-Management-Prinzip auf die Produktion der Dialysemaschinen und entwickelte ein Versorgungskonzept, das es Fresenius erlaubt, bei geringen Beständen nach dem „built-to-order“-Prinzip zu produzieren. Um dies zu gewährleisten, hält der CargoLine-Partner maximal eine Tagesproduktion von 30  Dialysemaschinen in dem nur wenige Kilometer vom Fresenius-Werk entfernten Logistikzentrum in Schweinfurt vor. Auch die  Einlagerung von Zulieferteilen ist durchgängig schlank gestaltet: „Das Lagervolumen umfasst nie mehr als zehn Prozent des Jahresumsatzes“, erklärt Dr. Christoph Sahm, Werksleiter im Schweinfurter Fresenius-Werk. „Wir wollen uns schließlich nicht zum Lageristen unserer Lieferanten machen.“

Extrem enge Verzahnung

Damit das funktioniert, übertrug Fresenius zahlreiche Aufgaben an das Unternehmen in Schweinfurt. So integrierte sich Schäflein Industrieservice, die jüngste Tochter des Logistikers, nach einer umfassenden Prozessanalyse vollständig in die Produktion von Fresenius Medical Care. Wie bei Kleinserien in der Automobilindustrie werden die Gehäuse der technischen Wunderwerke heute bei Schäflein vormontiert und „ship to line“ an die Produktionslinie ins nahegelegene Fresenius-Werk geliefert. Zwei- bis dreimal täglich, mit nur einer Stunde Vorlauf, verlässt ein CargoLine-Lkw den Hof des Systemlieferanten in Richtung Fresenius-Endmontage. Dort werden Kernkomponenten wie Dosierpumpen, Magnetventile oder Filter in die Geräte verbaut.

Nicht  nur wirtschaftliche  Überlegungen, sondern  auch  Kapazitätsengpässe gaben den Ausschlag für das Outsourcing. „Da wir hohe jährliche Umsatzzuwächse verzeichnen, sind wir in der Produktion an Kapazitätsgrenzen gestoßen“, sagt Dr. Christoph Sahm. „Hier hat ein innovatives Logistik- und Montagekonzept deutlich mehr Platz und Flexibilität geschaffen.“

20 Prozent mehr Produktivität

Bleche, Kabelbaum, Akkus,  Fahrwerk, Bremsen: Zahlreiche der  insgesamt rund 100 Teile, die in dem vorlackierten Spritzgussgehäuse des 5008S untergebracht sind, werden von Schäflein-Mitarbeitern hochkonzentriert in die Dialysemaschine eingebaut. Bis zu einem Jahr Schulung ist notwendig, bis alle 30 Arbeitsschritte und die filigrane Montage der 14 Unterbaugruppen sicher beherrscht werden, berichtet Udo Fischer. „Zeitarbeiter findet man bei uns schon aus Qualitätsgründen nicht“, versichert der Geschäftsführer von Schäflein Industrieservice. Außerdem installierte Schäflein einen Continuous Improvement Process (CIP), der immer weitere Verbesserungen im Fertigungsprozess erlaubt: Um rund 20 Prozent steigerte Fresenius seine Produktivität durch das Auslagern von Industrieaufgaben an den CargoLine-Partner bei gleichzeitig verringertem Flächenbedarf.

Bis heute ist Schäflein der einzige Dienstleister, den Fresenius als externen Partner mit der Vormontage von Dialysegeräten betraut. So viel Vertrauen sorgt für Planungssicherheit. Langfristige Rahmenverträge sichern gute Preise bei Vorlieferanten. Geplant, weltweit eingekauft und vorgehalten wird von Schäflein das Material für eine Jahresproduktion. „Dieses Modell verringert für uns nicht nur die Bestände und Durchlaufzeiten, sondern gibt uns auch die Möglichkeit, ein hochkomplexes Medizinprodukt zu einem wettbewerbsfähigen Preis anzubieten“, skizziert Dr. Sahm die Vorteile.

Zentraler Bestandteil des Lean-Management-Konzeptes von Schäflein ist das Vergütungsmodell. „Alle Leistungen – einschließlich   Beschaffungs-, Lager-  und Transportkosten – sind in dem Preis für das vormontierte Gerät komplett enthalten“, erläutert Achim Schäflein, Vorstandsvorsitzender der Schäflein AG. „Bezahlt wird erst bei Abruf. Das macht es unserem Kunden leicht, die Kosten für Logistik und Mehrwertdienste zu kalkulieren.“

Über Fresenius Medical Care

Fresenius Medical Care ist der weltweit führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für  Menschen mit chronischem  Nierenversagen. Von diesen unterziehen sich weltweit mehr als 2,1 Millionen Patienten regelmäßig einer Dialysebehandlung. In einem Netz aus 3.119 Dialysekliniken in Nordamerika, Europa, Lateinamerika, Asien und Afrika betreut das börsennotierte Unternehmen mehr als 253.000 Dialysepatienten. Fresenius Medical Care ist zudem der weltweit führende Anbieter von Dialyseprodukten wie Hämodialyse-Geräten, Dialysatoren und damit verbundenen Einweg-Produkten. Fresenius Medical Care ist an den Börsen Frankfurt (FMe, FMe3) und New York (FMS, FMS/P) notiert. www.fmc-ag.de

Über Schäflein

Mit 750 Mitarbeiterinnen  und  Mitarbeitern erbringt die in Röthlein bei Schweinfurt ansässige Unternehmensgruppe Schäflein AG die gesamte Palette logistischer Dienstleistungen: von der Beschaffungs- und Produktionslogistik über die Lager- und Distributionslogistik bis hin zu E-Commerce und Versandhandel. Seit 2011 zählt die neu gegründete  Schäflein Industrieservice  GmbH zum Unternehmen. Schäflein ist Mitbegründer und Gesellschafter der CargoLine. Der Jahresumsatz der Gruppe liegt bei 80 Millionen Euro. Das 1939 in Schweinfurt gegründete Transport- und Logistikunternehmen ist heute in dritter Generation inhabergeführt. Vorstandsvorsitzender ist Achim Schäflein. www.schaeflein.de