Druckreife Leistung

In Wiesloch-Walldorf steht die größte Druckmaschinenfabrik der Welt. Mit intelligenter Beschaffungslogistik und automatisiertem Datenfluss steuert die Fritz Gruppe vernetzt und präzise den Warenstrom für die Heidelberger Druckmaschinen AG.

Montage von Druckwerken für die Speedmaster XL 105 im Werk Wiesloch-Walldorf.
Montage von Druckwerken für die Speed-master XL 105 im Werk Wiesloch-Walldorf.

Die Müslischachtel beim Frühstück, der Flyer im Briefkasten oder der Prospekt im Büro: Die bunte Vielfalt der Druckerzeugnisse gehört zu unserem Alltag. Moderne Maschinen aus bis zu 100.000 Teilen bringen Farbe aufs Papier und das Papier in die richtige Form. Sie arbeiten wie ein Schweizer Uhrwerk, und genauso präzise muss die Logistik für ihre Produktion sein.

Die Musik spielt in Süddeutschland

Mit über 40 Prozent Marktanteil ist die Heidelberger Druckmaschinen AG – kurz Heidelberg – weltweit führend in der Bogenoffset-Drucktechnologie. Maschinen für die Vor- und Weiterverarbeitung von Druckprodukten gehören ebenso zum vielseitigen Programm wie Zubehör vom Korrekturstift bis zum Reinigungsmittel. Rund 70 Prozent der Maschinenteile bezieht das Unternehmen aus Süddeutschland. Über 80 Prozent der Produktion gehen ins Ausland.

Verwurzelt in der Region, vernetzt in der CargoLine und vielseitig im Gefahrstoffbereich, kann die Fritz Gruppe 2012 zum dritten Mal die seit 2007 bestehende Zusammenarbeit mit Heidelberg erweitern. Sie übernimmt die  Transport- und Beschaffungslogistik als Gebietsspediteur der Region Süd. Ausschlaggebend war für Heidelberg neben der Nähe der Fritz Gruppe zum knapp 50 Kilometer entfernten Werk auch der direkte Zugang zur Geschäftsleitung. Überzeugt haben vor allem die weitverzweigte Beschaffung über die CargoLine-Partner als greifbares und funktionierendes Produkt sowie eine maßgeschneiderte IT-Lösung für den vorgezogenen Wareneingang.

Händchen für Gefahrstoffe

Das Werk von Heidelberg liegt zum Teil in einem Grundwasserschutzgebiet. Um die strengen gesetzlichen Vorgaben einzuhalten und gleichzeitig jederzeit die notwendige Verfügbarkeit vorhalten zu können, lagern Löse- und Reinigungsmittel in der Anlage von Fritz. Sie ist auf 15.000 Quadratmeter immissionsschutzrechtlich genehmigt, unterliegt der Störfallverordnung und genügt damit höchsten Sicherheitsstandards. Am Kommissionierplatz macht das feste Team von fünf geübten und speziell auf Gefahrstoffe geschulten Mitarbeitern unter anderem die Produkte von Heidelberg versandfertig. Fein säublerlich kommissioniert werden sie tagesaktuell bei Heidelberg angeliefert.

Dreisprung ins Zeitfenster

In der Halle mit rund 150 verschiedenen Maschinenteilen für Heidelberg bestimmt der Wareneingang in Wiesloch-Walldorf den Takt der Logistik. Täglich schleust Fritz mit eingespielten Teams im Dreischichtbetrieb und mithilfe des CargoLine-Netzes bis zu 100 Bestellungen von Heidelberg durch das Logistikzentrum. Drei bis fünf Sattelzüge mit Stückgut verlassen täglich das Speditionsgelände. Zu den regelmäßigen Beschaffungstransporten gehören Antriebsmotoren aus Nürnberg, die die Spedition Amm, der CargoLine-Partner vor Ort, in das Stückgutnetzwerk einspeist. Ausgeliefert werden die schweren Motoren zuverlässig und mit großer Sorgfalt einen Tag später in Wiesloch-Walldorf.

Neben der Qualität zählt Pünktlichkeit. Mit jeder Sendung übernimmt Fritz die Verantwortung für die Liefertreue des Zulieferers. Die Logistik folgt einer strikten A-B-C-Systematik. Nach der Bestellung durch Heidelberg avisiert der Lieferant seine Sendung am Tag A bis spätestens 17 Uhr bei Fritz. Ab 7 Uhr am Folgetag B holt der CargoLine-Partner vor Ort die Ware vor. Mit dem standardisierten Systemverkehr der Stückgutkooperation erreicht sie Heilbronn. Damit die Ware spätestens am Tag C bei Heidelberg ist, verladen die Speditionsmitarbeiter noch in der derselben Nacht die bereitstehenden Einheiten auf Trailer. Diese starten für das frühe Zeitfenster von 6 bis 10 Uhr oder für die Abendanlieferung zwischen 18 und 20 Uhr in Richtung Wiesloch-Walldorf.

Datensatz statt Lieferschein

„Im Werk soll der Verkehr an den Laderampen ruhig und möglichst ohne Wartezeit ablaufen“, beschreibt Thorsten Bauch, Corporate Commodity Manager Logistics bei Heidelberg, das Ziel. Für die zügige Abfertigung der Lkw setzt er neben einer getakteten Anlieferung auch auf einen automatisierten Datenfluss. Bereits in der Pilotphase der Zusammenarbeit investierte die Fritz Gruppe in ein webbasiertes System für einheitliche Wareneingangsdaten und elektronische Lieferscheine. Für den vorgezogenen Wareneingang im Logistikzentrum von Fritz überträgt Heidelberg heute jede Bestellung bei Lieferanten direkt aus dem SAP- ins webbasierte SCM-System. Trifft die Ware dazu ein, gleicht ein Speditionsmitarbeiter den Papierlieferschein des Lieferanten über vorgegebene Sachnummernschlüssel mit den Bestellpositionen ab. Ist alles in Ordnung, erzeugt das System vollautomatisch einen elektronischen Lieferschein und avisiert die Sendung in Wiesloch-Walldorf. Bei ihrer Ankunft greifen die Daten des Lieferscheins nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip  mit denen des Avis ineinander. „Wir können alle Lieferungen im Wareneingang ohne zeit- und kostenintensive Nachbearbeitung sofort zuordnen“, bestätigt Bauch die hohe Qualität der Anlieferdaten.

Königsdisziplin Rundlauf

Heidelberg profitiert zudem von den Milkruns der Spedition. „Die Transporte der vollen und leeren Behälter in zahlreichen Formen und Größen mit anderen Ladungen in bestimmten Regionen möglichst kosteneffizient zu verknüpfen, das ist die Kür für uns“, freut sich Günter Gruber, Prokurist der Spedition Fritz. Keine leichte, aber eine spannende Aufgabe für ihn und sein Team, denn je nach Maschine ändern sich die Teile und dadurch die Lieferanten und Strecken. Auch das Volumen ist nur bedingt planbar: 60 Prozent kommen mit Voranmeldung, der Rest ad hoc.

Die Herausforderungen des Logistikalltags meistern die Mitarbeiter von Fritz und Heidelberg vor allem mit einem gemeinsamen Prozessverständnis. Dafür arbeiten sie auf allen Ebenen sehr eng und vertrauensvoll zusammen. „Probleme lösen wir zielführend ohne lange Diskussionen“, sagt Bauch. Damit sie gar nicht erst entstehen, hat Gruber einen KVP (Kontinuierlichen Verbesserungsprozess) mit vierteljährlichen Treffen installiert. Stets mit am Tisch: operative Mitarbeiter von beiden Seiten, damit der Wareneingang in Wiesloch-Walldorf niemals unter Druck gerät.

Über Heidelberger Druckmaschinen AG
Die Heidelberger Druckmaschinen AG (Heidelberg) bietet weltweit führende Produkte und Dienstleistungen für den Werbe-  und Verpackungsdruck an. Das Angebotsspektrum des Unternehmens ist ausgerichtet auf die Bereiche Bogenoffsetdruck, Digitaldruck sowie die Fertigung anspruchsvoller Teile und Baugruppen für den Präzisionsmaschinenbau. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Heidelberg, Deutschland, sowie Entwicklungs- und Produktionsstandorten in sieben Ländern betreut seine Kunden mit einem dichten Netz von Vertriebs- und Serviceniederlassungen weltweit. Zum 31. März 2012 beschäftigte der Konzern 15.414 Mitarbeiter. www.heidelberg.com

Über Fritz Gruppe
In der Region Heilbronn ist die Fritz Gruppe mit mehr als 600 Mitarbeitern einer der größten Speditions- und Logistikdienstleister. Der Unternehmensbereich Spedition Fritz GmbH & Co. KG bietet Sammelgut, Teil- und Komplettladungen an. In der Lager- und Kontraktlogistik bedient die Fritz Logistik GmbH auf 80.000
Quadratmetern Logistikfläche, davon 15.000 immissionsschutzrechtlich genehmigt, mit einem breit gefächerten Leistungsportfolio Kunden aus Industrie und Handel. Schwerpunkte sind der Maschinenbau, die Chemie- und die Automobilindustrie. Das in dritter Generation inhabergeführte Unternehmen erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von rund 68 Millionen Euro. www.fritz-gruppe.de