Vertikales Bearbeitungszentrum zur Herstellung von Torgelower Metallwaren. (Foto: Torgelower Metallwaren)
Flexibel durch die Krise
erstellt April 2009
Mecklenburg-Vorpommern ist eher für seinen Erholungswert bekannt denn für seine Industrie. Doch die Produkte der Torgelower Metallwaren GmbH finden in ganz Europa und Übersee Verwendung. Für den flexiblen und schnellen Transport sorgt der CargoLine-Partner Sander Spedition in Rostock.
Gute Nachrichten sind derzeit selten. Und doch gibt es sie: In dem rund 11.000 Einwohner großen Städtchen Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern, direkt am Stettiner Haff und an der Grenze zu Polen gelegen, schreibt die Torgelower Metallwaren GmbH seit 1991 leise ihre Erfolgsgeschichte. Aus Stahl, Edelstahl und Aluminium produziert der Auftragsfertiger unter anderem Halterungen für Fahrzeuge, Befestigungselemente für Solarmodule, Zubehörteile für Turbinen von Windkraftanlagen und Entwässerungsrinnen für die Bauwirtschaft. Zu seinen Kunden zählen Weltunternehmen wie die ACO Gruppe aus Rendsburg, J. Eberspächer Esslingen und Wolf Klimatechnik Mainburg.
Über mangelnde Aufträge kann das Unternehmen nicht klagen. „In den letzten beiden Monaten ist es etwas ruhiger geworden, aber die Auftragslage ist gut“, erklärt Geschäftsführer Bernd Petzel erleichtert. Im Gegenteil: Gerade erst hat die Firma ihre neue Produktionshalle in Betrieb genommen; sie verfügt nun insgesamt über 3000 Quadratmeter Produktionsfläche. Der Ausbau war aufgrund der hohen Auslastung nötig geworden. „Sicher sind im Bereich der Fahrzeugindustrie die Aufträge zurückgegangen“, analysiert Petzel. „Andererseits bieten wir eine so große Produktvielfalt für unterschiedliche Industrien, besonders für die wachstumsstarken Umwelttechnologien, dass wir diesen Rückgang an anderer Stelle ausgleichen können.“
Unternehmer über Nacht
Dieser Erfolg war im Gründungsjahr 1991 nicht abzusehen. Bis dahin waren die Torgelower Metallwaren Teil des Kombinats „Fortschritt Landmaschinen“, VEB Sirokkogerätewerk Neubrandenburg, Betriebsteil Torgelow. Das Werk, dessen Heizgeräte als Standheizung für den Trabant Geschichte schrieben, hatte nach der Wende keine wettbewerbsfähigen Produkte. Der Betriebsteil Torgelow wurde reprivatisiert, daraus entstanden mehrere Unternehmen wie die Torgelower Metallwaren GmbH und die Eberspächer Heizgeräte Torgelow. Den Sprung ins kalte Wasser hat Bernd Petzel bis heute nicht bereut, die schwierigen Anfangszeiten sind so gut wie vergessen.
Mit acht Mitarbeitern stellte sich Petzel damals dem Wettbewerb; heute hat das Unternehmen 50 Beschäftigte, die 2008 einen Umsatz von 5,1 Millionen Euro erwirtschafteten. Seine Kunden sitzen vor allem in Süddeutschland und Schleswig-Holstein; in Europa werden die Stahl- und Edelstahlprodukte besonders in Frankreich, den Niederlanden und Österreich geschätzt. In Übersee sind Brasilien und die USA besonders zukunftsträchtige Märkte - dort wird Umwelttechnologie derzeit stark nachgefragt.
Vor allem flexibel
Neben ihrer breiten Produktpalette und sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern hilft den Torgelower Metallwaren vor allem ihre Flexibilität, in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld zu bestehen: „Die Verarbeitung von Stahl hat in Torgelow eine lange Tradition; bereits 1753 hat der Preußische Staat hier ein Eisenhüttenwerk errichtet, nachdem Raseneisenerz entdeckt worden war“, erklärt Petzel das Vorhandensein einer starken metallverarbeitenden Industrie in Torgelow. Unter Rasenerz versteht man nachträglich verfestigte Sedimentfraktionen des Bodens wie Sand, Ton und Schluff mit Metallgehalten von bis zu 45 Prozent, die dicht unter der Oberfläche liegen und daher in Torgelow früher mit Hacke und Spaten abgebaut werden konnten.
„Wir haben uns frühzeitig auf Klein- und Mittelserien spezialisiert und können sehr kurzfristig, das heißt innerhalb von drei bis vier Wochen, auf neue Produktionsanforderungen oder Spezialanfertigungen reagieren, bei Standardprodukten sogar innerhalb von zwei Wochen. Damit haben wir einen deutlichen Vorteil gegenüber Großunternehmen“, ergänzt Petzel. Darüber hinaus stellt das Unternehmen die benötigten Fertigungsmittel im eigenen Werkzeugbau her. Es ist damit auch hinsichtlich seiner Ausrüstung sehr breit aufgestellt und kann so selbst außergewöhnliche Kundenwünsche umsetzen.
Service rund um die Uhr
Flexibilität und Schnelligkeit sind zwei Eigenschaften, die das Unternehmen auch von seinem Transport- und Logistikdienstleister erwartet. „Im Rücken die Grenze, vorne Deutschland – diesen Standortnachteil muss unser Spediteur ausgleichen“, findet Petzel. Damit hat die Sander Spedition aus Rostock kein Problem: Täglich fahren deren LKW in Torgelow vor, um Ware abzuholen und ins Netz der europaweit tätigen Stückgutkooperation CargoLine einzuspeisen. Überseetransporte wickelt Sander mit dem CargoLine-Partner Bursped in Hamburg ab. Die Abholung findet rund um die Uhr statt, angepasst an die Produktion des Drei-Schicht-Betriebes. Oft weiß Sander eine Stunde vor Abholung nicht, welche Mengen die Kunden der Torgelower Metallwaren abgerufen haben und welche Destinationen bedient werden müssen. Das erfordert von der Spedition, die auch das Leergut abwickelt, ein sehr hohes Maß an Flexibilität.
Seit vielen Jahren arbeiten Bernd Petzel und Frank-Jörg Lewerenz, Verkaufsleiter der Sander Spedition, schon zusammen. „Mecklenburger sind typische Norddeutsche: erst ein wenig wortkarg und unzugänglich gegenüber Unbekannten, aber wenn sie sich näher gekommen sind, gehen sie gemeinsam durch Dick und Dünn“, schmunzelt Lewerenz. Zum Vertrauensverhältnis hat sicher beigetragen, dass das Team von Sander unkompliziert auf kniffelige Situationen reagiert: „Vor zwei Jahren hatten die Torgelower Metallwaren einen eiligen Spezialauftrag für eine Baustelle in Bayern. Allerdings war die Lieferadresse falsch übermittelt worden, so dass die Metallteile kurz vor Baubeginn zur falschen Baustelle geliefert wurden. Da haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die schmerzlich vermissten Bauteile zu orten und innerhalb von Stunden zur richtigen Baustelle zu bringen“, erinnert sich der Verkaufsleiter.
Noch viel vor
2009 will sich der Auftragsfertiger verstärkt auf den Bereich Umwelttechnologien konzentrieren und seinen Marktanteil weiter ausbauen. Dazu passt es, dass auch Sander seit August 2008 nach DIN EN ISO 14001 umweltzertifiziert ist. Für die Kunden der Torgelower Metallwaren im europäischen Markt bietet die Spedition zudem seit kurzem zwei neue Services: NightLineFix, die Anlieferung an einem Wunschtermin, sowie NightLineEurope NextDay, die Zustellung von Sendungen in vielen Regionen und Industriezentren Europas im Nachtsprung.
„Die Sander Spedition ist mittelständisch und unkompliziert wie wir, ein zuverlässiger Partner, mit dem wir konstruktiv zusammen arbeiten“, lautet Petzels Fazit. Derzeit denken beide Unternehmen darüber nach, die Zusammenarbeit von der reinen Distribution auf die europaweite Beschaffung auszudehnen.
Torgelower Metallwaren GmbH
1991 gegründet, weist der Auftragsfertiger von Metallprodukten wie Halterungen, Befestigungsklemmen, Abwasserrinnen und mehr aus Stahl, Edelstahl und Aluminium jedes Jahr Wachstumsraten zwischen fünf und zehn Prozent auf. Zu den belieferten Industrien zählen Tiefbau, Klimatechnik und Automotive sowie Hersteller von Biogas-, Solar- und Windkraftanlagen. 50 Mitarbeiter erwirtschafteten 2008 einen Umsatz von 5,1 Millionen Euro. www.torgelower-metallwaren.de
Hans Sander GmbH & Co. KG
Der nordöstlichste nationale CargoLine-Partner gewährleistet durch den Drei-Schicht-Betrieb von Stückgutumschlag Beschaffungs- und Verteilerdienste in Mecklenburg-Vorpommern und Nordbrandenburg innerhalb von zwölf bis 24 Stunden, europaweit innerhalb von 24 bis 96 Stunden. 36 Mitarbeiter bedienen 4.400 Quadratmeter Lager- und Umschlagfläche. Das inhabergeführte Unternehmen ist nach DIN EN ISO 9001:2000 inklusive HACCP-Konzept und 14001 zertifiziert. Derzeit bereitet es sich auf die s.a.f.e.-Zertifizierung vor, die Ende des Jahres abgeschlossen sein wird. www.sandersped.de

